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Diese Seite dient als Informationsquelle für alle Naginata-Liebhaber/-Neugierigen und solche, die es noch werden. Neben Informationen rund um den Sport und die Waffe „Naginata“, bietet der Deutsche Naginata Bund (DNagB) auf dieser Internetseite auch Hinweise auf Naginata-relevante Veranstaltungen, Berichte von denselben und einiges mehr.

Was ist überhaupt Naginata? Detaillierte Informationen sind in der entsprechenden Kategorie auf der rechten Seite abrufbar, hier sei zum Neugierigmachen nur so viel gesagt: Das Wort „Naginata“ bezeichnet sowohl eine japanische Waffenform als auch den Budô-Kampfsport, bei dem eine Sportvariante der Naginata benutzt wird. Das Training zielt oft auf den sportlichen Freikampf mit der Waffe ab (Shiai). Jedoch gibt es auch Wettkämpfe, bei denen sich zwei Teams (bestehend aus je 2 Personen) im Engi messen, d.h. sie zeigen bestimmte Bewegungsabläufe, wobei die Perfektion der Bewegung und die Zusammenarbeit der Partner ausschlaggebend sind.

Was ist Naginata?

Detaillierte Informationen hierzu sind in den folgenden Unterkategorien zu finden. Hier sei zum Neugierigmachen nur so viel gesagt: Das Wort „Naginata“ bezeichnet sowohl eine japanische Waffenform als auch den Budô-Kampfsport, bei dem eine Sportvariante der Naginata benutzt wird. Das Training zielt oft auf den sportlichen Freikampf mit der Waffe ab (Shiai), muss aber nicht. Es gibt auch Wettkämpfe, bei denen sich zwei Teams (bestehend aus je 2 Personen) im Engi messen, d.h. sie zeigen bestimmte Bewegungsabläufe, wobei die Perfektion der Bewegung und die Zusammenarbeit der Partner ausschlaggebend sind.

Die Waffe

Der Kampfsport

Die Ausrüstung

Geschichte

Naginata und Kendô

Naginata und Kendô

Sowohl Naginata als auch Kendô sind aus den Kampfkünsten des japanischen Rittertums hervor gegangen. Auf Grund ihrer gemeinsamen Abstammung gibt es naturgemäß viele Gemeinsamkeiten bezüglich Ausrüstung, Methodik, Wettkampfregeln und Geisteshaltung. Allerdings gibt es auch bedeutende Unterschiede. Insbesondere sind die Bewegungsabläufe grundverschieden. In den folgenden Abschnitten werden für Leser mit Kendô-Hintergrund einige Unterschiede beschrieben.

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Ausrüstung

Die Kleidung ist der im Kendô prinzipiell gleich, jedoch werden andere Farben getragen: Weißer Gi und schwarzer Hakama. Ein Keiko Gi für Naginata unterscheidet sich darüber hinaus durch dünneren Stoff und kürzere Ärmel (bis zum Ellenbogengelenk) von der Kendôversion. Die Rüstung ist verglichen zum Kendô Bôgu abgeändert und erweitert.

Tare: Der Kendôausführung identisch (nicht wie in Jûkendô)

Dô: In der Regel der Kendôausführung identisch. Es existieren aber auch abgeflachte Ausführungen.

Sune Ate: Der auffälligste Unterschied zum Kendô Bôgu sind die zusätzlichen Schienbeinschoner (Sune Ate). Für den Wettkampf sind sie absolut unerlässlich, denn Sune ist in Naginata die wichtigste Trefferstelle. Sie bestehen in der Regel aus 6 vertikalen Bambusstreben, die auf einem ovalen Polster aufgenäht sind und unter dem Knie und am Fußgelenk festgeschnürt werden. Improvisierte Sune Ate kann man auch durchaus aus einem dicken Stoff und alten Shinai-Streben selbst herstellen.

Men: Idealerweise in der speziellen Naginataausführung. Kendô-Men sind grundsätzlich auch einsetzbar, wenn auch gewöhnungsbedürftig und außerhalb Japans die Regel. Naginata Men verfügen über kürzere Men Buton mit einem anderen Nahtverlauf, denn lange Seitenteile sind bei Hasso no Kamae und Furikaeshi-Techniken im Weg. Zusätzlich besitzen sie häufig breitere Tsuki Dare (wie in Jûkendô), damit der Hals besser geschützt ist, falls bei einem Stich der Kopf im seitlichen Stand nicht genügend eingedreht ist. Bezüglich des Schnürens ist die Stirn/Kehle/Stirn-Methode zu empfehlen wie sie auch in vielen Kendôjô Westjapans gelehrt wird, um sicher zu stellen, dass der Men bei einer Kopfdrehung nicht verrutschen kann.

Kote: Kote für Naginata sind im Bereich des Handgelenks weicher und damit beweglicher gefertigt. Sie verfügen über einen abgesetzten Zeigefinger, um Handwechsel zu erleichtern. Man kann auch mit Kendô Kote trainieren, aber auf Dauer ist dies keine akzeptable Lösung, denn sie verleiten zu schlechter Technik und Haltung.

Was die Naginata in der Shiai-Ausführung betrifft, so benötigen die beiden Bambusstreben des Habu vergleichbare Aufmerksamkeit und Pflege wie bei einem Shinai, um Unfälle durch Bambusspäne zu vermeiden. Letztendlich sind sie aber Verbrauchsmaterial, während das Ebu mit einem neuen, aufgeklebten Habu dauerhaft wieder verwendet wird.

Kamae, Trefferstellen und Grundschläge

In Naginata gibt es ebenfalls 5 Kamae, welche dieselben Namen tragen wie im Kendô. Sie stellen sich jedoch ganz anders dar, denn in Naginata ist der Körper in allen Kampfpositionen stets seitlich zum Gegner hin ausgerichtet und nicht frontal. Die verschiedenen Kamae haben in Naginata einen höheren Stellenwert als im Kendo, denn viele sind integraler Bestandteil für die Ausführung der Grundschläge und daher werden sie in der Praxis häufig gewechselt. Während die meisten Kendôka aus Chûdan no Kamae kämpfen und die anderen Kamae (mit Ausnahme von Jôdan no Kamae) weitgehend nur in der Nihon Kendô Kata verwendet werden, sind für Naginataka schnelle Wechsel zwischen Chûdan, Hasso und Waki essentiell. Handwechsel und der Kampf aus den beiden Körperorientierungen (linke bzw. rechte Schulter zum Gegner gewandt) sind ebenfalls Standard.

Die aus dem Kendô bekannten Trefferstellen Men, Kote, Dô und Tsuki existieren auch in Naginata. Sune (Unterschenkel) ist die naginatatypische zusätzliche Trefferstelle. Darüber hinaus sind schräge Menschläge (Soku Men), die unter einem Winkel von 25°-30° auftreffen, ein häufiges Angriffsziel. Bei der Ausführung eines Schlages ist es ebenfalls wichtig, dass die hintere Hand die Hauptarbeit übernimmt, welche je nach aktueller Körperstellung die linke oder die rechte Hand sein kann.

Auf Grund der Gewöhnungsbedürftigkeit der seitlichen Stellungen, der größeren Zahl an Grundschlägen und der Tatsache, dass diese (wie auch jede Form von Fußarbeit) von beiden Seiten ausgeführt und geübt werden müssen, ist die Naginata-Grundschule umfangreicher als die des Kendô.

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Trefferkriterien im Shiai

In Naginata gibt es nicht die Anforderung, dass ein gültiger Schlag mit Fumikomi Ashi ausgeführt werden muss, da es auch andere Bewegungsmuster gibt. Ebenso wird auch nicht das Durchlaufen durch den Gegner bei anhaltendem Kiai gelehrt. Dennoch ist Ki Ken Tai Ichi ebenfalls das oberste Prinzip für die Ausführung eines korrekten Treffers. Die einzelnen Elemente gestalten sich in Naginata jedoch stellenweise etwas anders. Das Kiai benennt ebenfalls die im Angriff befindliche Trefferstelle, ist aber kurz. Dennoch ist Atemkontrolle und das Atmen in das Körperzentrum wichtig.
Schritt und Schnitt müssen wie im Kendô gemeinsam erfolgen. Allerdings sind die Schritte eher gleitend als stampfend. Die meisten Schnittbewegung der Naginata gehen mit einer Körperdrehung einher, aus der zusätzliche Schnittschärfe abgeleitet wird. Die anderen Kriterien für die Gültigkeit eines Treffers wie das Schneiden mit dem Mono Uchi und Zanshin sind in Naginata genauso wichtig wie im Kendô.

Stellenwert von Kata

Für Naginata hat das Training von Kata eine größere Bedeutung als im Kendô. Auf Grund des im Vergleich zu Kendô jüngeren Alters der Budô-Disziplin Naginata ist die Bindung an Koryû Naginatajutsu, die hauptsächlich das Kata-Training als Lehrmethodik anwenden, heute noch stärker gegeben. Unter diesen klassischen Schulen sind insbesondere Tendôryû Naginatajutsu und Jiki Shinkageryû Naginatajutsu zu nennen, die prägenden Einfluss auf die Gestaltung von Naginata ausgeübt haben. Hochrangige Naginatalehrer gehören in der Regel auch einer alten Schule an. Die Ausübung von Naginata in der Budô-Ausprägung erfordert jedoch nicht zwingend das gleichzeitige Praktizieren einer Koryû Naginatajutsu. Für einen Anfänger kann dies sogar eher verwirrend sein.

Der Stellenwert des Kata-Trainings in Naginata spiegelt sich nicht zuletzt auch in dem Umstand wider, dass es mit dem Formenlauf (Engi) reine Kata-Wettkämpfe gibt und Naginata über zwei unterschiedliche Gruppen von Kata verfügt, die aus 8 bzw. 7 Formen bestehen.

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Naginata gegen Katana

Während beide Budô-Disziplinen heute den Kampf gegen die gleiche Waffe (Katana gegen Katana bzw. Naginata gegen Naginata) üben, haben viele alte Naginatajutsu-Schulen auch den gemischten Kampf in vielen Variationen gelehrt. Zu Katana und Naginata kommen – je nach Schule – die anderen klassischen Waffen wie Stock, Speer, Kurzschwert etc. noch hinzu, um den Schüler auf alle zu erwartenden Begegnungen im Kampf vorzubereiten. Der gemischte Wettkampf im Allgemeinen heißt Isshu Jiai. Im engeren Sinn wird hiermit der Kampf zwischen Naginata und Katana (d. h. Shinai) bezeichnet. Hier zeigen beide Waffen ihre spezifischen, taktischen Besonderheiten, die unter den Vertretern beider Lager gerne oft und ausgiebig diskutiert werden.
Die gemischte Paarung hat für beide Seiten einen besonderen Reiz, da sie eine Anpassung an eine neue taktische Situation erfordert. Beim Isshu Jiai kommen andere Abstände und Situationen vor als die standardmäßig eingeübten. Dies bewirkt ein gewisses latentes Verletzungsrisiko, das tendenziell auf der Seite des Kendôkas liegt. Die volle Beherrschung der Waffe ist daher Voraussetzung, weshalb der gemischte Kampf erst für Naginataka ab dem 2. Dan erlaubt ist.
Text: Andreas Nicol

Entwicklungsgeschichte

Im alten Japan entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte viele hundert Schulen und Ausbildungssysteme, die den Umgang mit den klassischen Waffen wie Schwert, Naginata, Speer, etc. lehrten. Allen gleich war das Kernproblem des Kampftrainings, nämlich eine wirkungsvolle Ausbildung zu vermitteln ohne schwerwiegende Verletzungen unter den Schülern zu haben. In den meisten Schulen wurde auf der Grundlage des Katajutsu trainiert, das heißt zwei Schüler trainieren eine festgelegte Abfolge von Angriffen, Verteidigungen und Gegenangriffen mit entschärften bzw. gepolsterten Waffen, die aus Holz oder/und Bambus hergestellt wurden. Von diesen Formen kann es über hundert verschiedene geben, in denen die gängigen Waffen gegeneinander und auch in vielen möglichen Kombinationen, wie zum Beispiel Naginata/Schwert oder Schwert/Speer, aufeinander treffen. So erlernt der Schüler mit der Zeit ein großes Repertoire an Techniken und Situationen, aus dem er im Ernstfall schöpfen kann. Beispiele für noch heute praktizierte wichtige Koryû Naginatajutsu sind Tendôryû und Jiki Shinkageryû.

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Tendôryû Naginatajutsu: Kata „Ishizuki Koishi Gaeshi no Midare“

 

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Jiki Shinkageryû Naginatajutsu: Kata „Kiridome“
Da es beim reinen Katatraining jedoch schwierig ist, eine spontane, unkooperative Kampfsituation ohne Verletzungen nachzustellen, begannen manche Schulen Ende des 17. Jahrhunderts Schutzausrüstung und besondere ungefährliche Trainingswaffen einzuführen, die eine Art von freiem Kampf zuließen. Die Bezeichnung „frei“ beinhaltet hier die Einschränkung, dass nur die geschützten Körperpartien als Trefferstellen zugelassen waren. Das prominenteste Beispiel für diese Evolution ist sicherlich die Ittô-Schwertschule, die großen Einfluss auf die Entwicklung des Kendô (Schwertkampf) mit seiner charakteristischen Rüstung (Bôgu) in der Mitte des 18. Jahrhunderts gehabt hat. Auf der Grundlage dieser Rüstung haben andere, erst später formulierte Disziplinen wie Naginata oder Jûkendô (Bajonettfechten) für sich spezifische Schutzausrüstung entwickelt.
Naginata in seiner heutigen Form gibt es erst seit der Gründung des ZNNR (Alljapanischer Naginata Verband) 1955 und ist die Folge einer Entwicklung, die bereits in den 30er Jahren ihre Anfang nahm. Damals bemühten sich Vertreter verschiedener alter Stile und auch die Regierung darum, eine Form von Naginatatraining für den Schulsport zu entwickeln.
Nach dem Krieg wurde diese Vorarbeiten in der Verbindung mit einem stilübergreifenden Ansatz wieder aufgenommen und mündeten in der Budôdisziplin Naginata, die nun auch das Rüstungstraining kennt. Interessanterweise findet man aber schon auf Holzdrucken aus der Edôzeit Darstellungen, auf denen Naginatakämpfer oder auch Speerfechter in Bôgu zu sehen sind.
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Holzdrucke vom Training mit entschärften Waffen (Schwert, Naginata, Speer) und Schutzausrüstung

„Naginatadô“ und „Atarashii Naginata“

Für die Budô-Disziplin, die den Umgang mit der Naginata lehrt, wäre der Name „Naginatadô“ naheliegend (Dô: Im weltlichen Sinne Straße oder Weg, im philosophischen Zusammenhang Lebensweg). Diese Namensbildung wäre dann analog denen für Schwertkampf (Kendô), Bogenschießen (Kyûdô), Jûdô etc. Dies ist aber nicht der Fall. Die Budôdisziplin, die den Umgang mit der Naginata lehrt und den Rüstungswettkampf kennt, heißt schlicht Naginata – wie die Waffe selbst.
Eine solche Namensgebung mit „-dô“ war in den 30er bzw. 40er Jahren in Gebrauch, als es von mehreren Seiten Bestrebungen gab, Formen von Naginata zu schaffen, die sich für den Unterricht in Schulen eigneten. Diese Übungsprogramme waren auf der Grundlage verschiedener Koryû Naginatajutsu mit dem Ziel der Leibesertüchtigung anhand der Naginata geschaffen worden. Eine dieser Methoden nannte sich „Gakkô Naginatadô“ (d.h. „Schulnaginataweg“) und basierte auf der Bewegungslehre von Jiki Shinkageryû Naginatajutsu.
Um den Unterschied zu den Koryû Naginatajutsu und auch zu den Übungsprogrammen der Vorkriegszeit wie Gakkô Naginatadô, denen in der Nachkriegszeit eine gewisse militaristische Vorbelastung anhaftete, deutlich erkennbar zu machen, wurde in frühen Jahren des ZNNR auch die Bezeichnung „Atarashii Naginata“ (also „Neues Naginata“) verwendet. Den Begriff „Atarashii Naginata“ findet man mittlerweile fast nur noch außerhalb Japans, dann häufig auch falsch (ab-)geschrieben. In Japan wird er jedoch heute in der Regel nicht mehr verwendet.
Da sowohl Disziplin als auch Waffe Naginata heißen, ist natürlich für vielerlei Verwechslungen Tür und Tor geöffnet, insbesondere im gleichzeitigen Umgang mit den alten Stilen. Klar ist die Unterscheidung jedoch in der japanischen Schriftform.
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Gakkô Naginatadô

Bedeutung und Schreibweise des japanischen Wortes „Naginata“

Die chinesischen Schriftzeichen (Kanji), die ursprünglich verwendet wurden, um das japanische Wort „Naginata“ zu schreiben, bedeuten so viel wie „langes Schwert“ (Wort 1). „Lang“ bezieht sich auf den Griff bzw. die Stange, an der die Klinge befestigt ist. Im 14. Jahrhundert kamen in Japan Schwerter mit außergewöhnlich langer Klinge in Mode und der Begriff verlor seine Eindeutigkeit – war ein langes Schwert nun eine Waffe mit langer Klinge oder von großer Gesamtlänge? Daher wurde seitdem das Wort Naginata vielfach, aber komplizierter Weise nicht ausschließlich, mit einem anderen Zeichen in der ersten Position geschrieben. Die neue Zeichenkombination bedeutet soviel wie „mähendes Schwert“ (Wort 2) und bezieht sich damit auf eine typische Bewegungen mit der Waffe und nicht mehr auf ihre Gestalt.
In jüngerer Zeit geriet das erste der beiden Kanji weitgehend in Vergessenheit und gehört nicht zu den Zeichen, die heute standardmäßig in Japan in der Schule gelehrt werden (Jôyô Kanji). Im heutigen Japan wird Naginata fast ausschließlich in Silbenschriftzeichen (Hiragana) geschrieben (Wort 3), die lediglich den Lautwert aber keine Bedeutung an sich tragen. Dies soll erneut den Unterschied zu den Koryû Naginatajutsu und den Übungsprogrammen der frühen Shôwazeit betonen. Auf die Schreibweisen 2 oder gar 1 trifft man aber bei der Beschäftigung mit Klingen und den alten Naginataschulen immer noch.
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Die drei Schreibweisen für „Naginata“

Naginata und Frauen

Lange Zeit war die Naginata eine verbreitete Waffe auf den Kriegsschauplätzen des japanischen Mittelalters und die Ausbildung an ihr gehörte genauso zum Pflichtprogramm für Samurai wie Schwertkampf, Reiten, Bogenschießen etc. Insbesondere für die Kriegermönche (Sôhei), also die bewaffneten Kräfte der buddhistischen Mönchsorden Japans, war die Naginata die typische Waffe.
Während die Naginata im Laufe der Zeit ihre Rolle auf dem Schlachtfeld verlor, wurde sie aufgrund ihrer Reichweite und der großen Hebelwirkung im 17. bis 19. Jahrhundert die Waffe, an der viele Frauen von Stand ausgebildet wurden. Als Mitgift wurden wertvolle Naginata zu Erbstücken der weiblichen Mitglieder einer Sippe. Aus dieser historischen Beziehung heraus wird Naginata heute in Japan überwiegend von Frauen ausgeübt. Außerhalb Japans ist das Geschlechterverhältnis jedoch ausgeglichener, mit einem Frauenanteil von ca. 25-50%.
Text: Andreas Nicol

Die Ausrüstung

Kleidung

Die Trainingskleidung für Naginata besteht aus einer weißen Jacke (Keiko Gi), einem schwarzen Hosenrock (Hakama) und wahlweise noch einem gewickelten Gürtel (Obi), der unter dem Hakama getragen wird. Das Kihontraining kann mit oder ohne Rüstung durchgeführt werden. Das Katatraining findet stets ohne Rüstung statt.

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Keiko Gi
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Obi
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Hakama

Bewaffnung

Für Kihon, Shiake-Ôji und Shiai wird mit einer speziellen Übungs-Naginata trainiert, bei der die Klinge aus zwei gekrümmten, flexiblen Bambusstreifen besteht. Die 50 cm langen Streifen sind mit einem weißen Klebeband auf einer Holzstange mit ovalem Querschnitt festgeklebt. Die Gesamtlänge liegt im Bereich von 2,10 bis 2,25 m bei einem Gewicht von mindestens 650 g. Im Downloadbereich gibt es ein Merkblatt auf dem die wichtigen „anatomischen“ Bezeichnungen erklärt sind.

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Naginata für Wettkampf (Shiai und Engi)
Die Verbandskata bildet die einzige Ausnahme. Diese wird mit einer besonderen Naginata trainiert, die vollständig aus Holz besteht und ein kleines Tsuba (Stichblatt) besitzt.
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Naginata für Verbandskata

Rüstung

Die Rüstung (Bôgu) besteht aus dem Unterleibsschutz (Tare), dem Brustpanzer (Dô), den Schienbeinschützern (Sune Ate), dem Helm mit Gittermaske (Men) und den Handschuhen (Kote). Unter dem Helm wird ein Kopftuch (Tenugui) getragen, um zu vermeiden, dass Schweiß in die Augen gerät.

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Bôgu für Wettkampf
Text: Andreas Nicol

Der Kampfsport

Naginata ist ein japanischer Kontaktkampfsport, der sowohl körperliche als auch geistige Fähigkeiten trainiert. Auf der einen Seite werden Ausdauer, Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen geschult, auf der anderen Seite fördert Naginata Selbstdisziplin, Konzentration und Entschlussfähigkeit. Darüber hinaus ist Naginata von den Werten des japanischen Rittertums wie zum Beispiel Tapferkeit, Respekt, Rechtschaffenheit, Güte und Ehre geprägt. Neben der sportlichen Betätigung dient Naginata der Charakterbildung und der Persönlichkeitsentwicklung.

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Rüstungstraining

Trainingsablauf

Das Training beginnt mit dem gemeinsamen Aufwärmen und einer kurzen Meditation. Danach werden die Lehrer und Übungspartnern traditionell begrüßt und um das gemeinsame Training gebeten. Grob gesagt besteht das Naginatatraining aus den drei grundlegenden Bausteinen:

  1. Grundlagenübungen (Kihon)
    Kihon beinhaltet das Üben der verschiedenen Kampfstellungen, der Fußarbeit und der Grundschläge.
  2. Formen (Kata) Eine Kata ist ein genau festgelegter Ablauf von Angriffen, Verteidigungen und Gegenangriffen, die von zwei Leuten ausgeführt werden. Alle Schläge werden abgestoppt bevor sie den Partner treffen, so dass keine Verletzungen auftreten. In Naginata gibt es zwei verschiedene Arten von Kata: Shikake-Ôji und Zen Nichi Kata bzw. Renmei no Kata (Verbandskata). Shikake-Ôji besteht aus 8 Formen. Die Verbandskata beinhaltet 7 Formen, die ab einer Graduierung vom 3. Dan und aufwärts praktiziert werden (siehe Prüfungen).
  3. Training für den Wettkampf (Shiai)
    In der Rüstung wird für den freien Wettkampf trainiert. Dazu übt man mit dem Partner die Grundschläge ohne abzustoppen. Die einzelnen Rüstungsteile schützen die Körperstellen, die angegriffen werden dürfen. Ebenso übt man Verteidigung und Kontertechniken

Das Training endet mit einer zweiten kurzen Meditation, gefolgt vom Bedanken bei Lehrern und Übungspartnern für das zusammen absolvierte Training.

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Grundlagentraining

Trefferstellen und die Grundschläge

Im Wettkampf sind nur Schläge auf die geschützten Körperpartien zugelassen. Beim Katatraining wird stets abgestoppt, bevor die Naginata den Übungspartner berührt. Die Trefferstellen sind größtenteils nach den Rüstungsteilen benannt, die sie schützen. Es gibt:

  • Men: Ein vertikaler Schnitt durch den Kopf
  • Soku Men: Ein diagonaler Schnitt durch den Kopf unter einem Winkel von
  • Tsuki: Ein Stich zur Kehle
  • Kote: Ein vertikaler Schnitt durch das Handgelenk
  • Dô: Ein horizontaler Schnitt durch den Rumpf
  • Sune: Ein diagonaler Schnitt durch den Unterschenkel
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Die Trefferstellen in Naginata

Die Grundregeln der verschiedenen Wettkampfarten

In Naginata gibt es zwei verschiedene Sorten von Wettkämpfen: Den freien Kampf (Shiai) und den Formenkampf (Engi). Im engeren Sinn meint das Wort Wettkampf Shiai.

Shiai

Im Shiai treten zwei Naginataka in Rüstung gegeneinander an. Drei Schiedsrichter verfolgen das Kampfgeschehen und entscheiden darüber, ob ein Schlag als gültiger Trefferpunkt gewertet wird. Ein Kampf dauert 3 oder 5 Minuten. Das Duell entscheidet der Kämpfer für sich, der zuerst 2 Punkte erreicht hat (2:1 oder 2:0) oder beim Ablauf der Zeit einen Punkt Vorsprung erreichen konnte (1:0). Ansonsten ist der Kampf unentschieden. Für Finalkämpfe, die nach Ablauf der Zeit unentschieden stehen, gibt es eine Verlängerung. Die Entscheidung fällt dann, sobald der erste Punkt erreicht wird. Eine weitere Methode, um bei einem Punktegleichstand eine Entscheidung zu erreichen, wenn dies für den weiteren Verlauf eines Turniers notwendig ist, ist der Schiedsrichterentscheid (Hantei). Hierzu stimmen die Schiedsrichter bei Kampfende darüber ab, welcher Kämpfer überlegen ist.
Für Verstöße gegen die Regeln (wie z. B. Verlassen der Kampffläche, Fallenlassen der Naginata, Sturz) wird ein Strafpunkt erteilt. Sobald ein Kämpfer zwei Strafpunkte erhalten hat, wird dem Gegner ein regulärer Punkt gut geschrieben.
Damit ein Angriff auf eine Trefferfläche als Punkt gezählt wird, müssen mehrere Anforderungen erfüllt sein:
  1. Der Angriff muss absichtsvoll und entschlossen ausgeführt werden. Dies äußert sich unter anderem im Schrei (Kiai), der gleichzeitig mit dem Angriff erfolgen muss und die Trefferstelle benennt.
  2. Auch unmittelbar nach dem Angriff muss der Angreifer seine Aufmerksamkeit behalten und den Gegner unter Kontrolle behalten (Zanshin).
  3. Der Angriff muss aus dem korrekten Abstand (Ma Ai) heraus erfolgen, so dass Schnitte mit dem vorderen Drittel der Klinge (Mono Uchi) ausgeführt werden.
  4. Schritt und Schnitt bzw. Stich müssen gemeinsam erfolgen.

Diese vier Bedingungen lassen sich darin zusammen fassen, dass der Angriff in der Einheit von Geist, Körper und Waffe (Ki Ken Tai Ichi) erfolgen muss.

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Shiai

ENGI

Im Engi treten zwei Mannschaften von je zwei Naginataka gegeneinander an und werden in der Regel von 5 Schiedsrichtern bewertet. Die Mannschaften führen gleichzeitig die selben 2 bzw. 3 Shikake Ôji-Formen vor, die im Vorfeld ausgeschrieben wurden. Es siegt die Mannschaft, die durch ihren Gesamteindruck für alle Formen die meisten Schiedsrichterstimmen für sich gewinnen konnte. Obwohl die Bewegungsabläufe bei dieser Disziplin vorgeschrieben sind, müssen alle Angriffe gemäß den gleichen Prinzipien ausgeführt werden, die auch für den Shiai gelten. Darüber hinaus müssen die Kontertechniken korrekt angewandt werden. Das Zusammenspiel der beiden Seiten muss harmonisch und im richtigen Timing ablaufen.
Zeichnungen mit dem Aufbau und den genauen Maßen der Wettkampfflächen können aus dem Downloadbereich herunter geladen werden.
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Engi

GRADUIERUNGEN

In Naginata gibt es verschiedene Graduierungen, die man durch Prüfungen erwirbt. Zuerst gibt es 6 Kyû-Grade (Schülergrade), anfangend mit dem 6. Kyû bis zum 1. Kyû. Zwischen zwei Kyûprüfungen liegt typischerweise ein halbes Jahr Vorbereitungszeit. Darauf folgen die 5 Dan-Grade (sehr frei übersetzt: Lehrergrade), bei denen man in umgekehrter Reihenfolge vom 1. Dan bis zum 5. Dan hochzählt. Um sich für die Prüfung zur nächst höheren Danstufe anmelden zu können, muss man mindestens so viele Jahre trainiert haben, wie die gegenwärtige Danstufe beträgt. Zum Beispiel ist eine Vorbereitungszeit von mindestens einem Jahr vorgeschrieben, um als 1. Dan die Prüfung zum 2. Dan versuchen zu dürfen. Zuletzt werden die Grade Renshi, Kyôshi und Hanshi verliehen. In Naginata werden keine farbigen Gürtel oder ähnliches getragen, welche die Graduierung nach außen hin sichtbar machen.

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Verbandskata
Text: Andreas Nicol

Die Waffe

Die Naginata ist eine Stangenwaffe aus dem japanischen Mittelalter. Sie wurde von den japanischen Rittern (Samurai), den Samuraifrauen, den Fußsoldaten (Ashigaru) und den buddhistischen Kriegermönchen (Sôhei) benutzt. Grob gesagt ist eine Naginata ein Schwert mit einem sehr, sehr langen Griff und kein Speer. Daher wird eine Naginata auch hauptsächlich in mächtigen Schnittbewegungen mit beiden Händen geführt und erst in zweiter Linie für Stiche eingesetzt. Durch ihre Länge kann man einen Gegner leicht über der gesamten Körpergröße angreifen. Wegen der Bedrohung der Unterbeine eines Kriegers durch Naginataschnitte wurden die japanischen Rüstungen im Laufe der Zeit durch einen Beinschutz ergänzt.

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Samurai
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Sôhei
Die Abmessungen von Klinge und Griff haben sich über die Jahrhunderte verändert, so dass es eine gewisse Bandbreite von Typen gibt. Viele klassische Naginataschulen verfügen über die ihnen eigene Naginataform. Die Gesamtlänge konnte zwischen 1,50 m und 2,50 m liegen, wobei auch deutlich längere Exemplare bekannt sind. Klingen hatten eine Länge von 30 cm bis zu 120 cm und wurden mit oder ohne Tsuba (Stichblatt) montiert. Naginataklingen wurden auf die gleiche Art und mit der gleichen Sorgfalt hergestellt, wie japanische Schwerter (oder genauer gesagt Säbel), um durch die Verbindung von harter Schneide und weichem Kern dauerhafte Schärfe zu erzielen. Deshalb sind sie von derselben legendären Qualität und erfahren die gleiche Wertschätzung.
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Eine Naginataklinge in Shôbuzukuri-Machart mit kurzer Hohlkehle und langer Angel

Eine kleine Militärgeschichte der Naginata

Das Wort „Naginata“ ist bereits aus dem 10. Jahrhundert schriftlich überliefert. Sie wurde von Kämpfern zu Fuß als auch vom Pferderücken aus eingesetzt. Wegen der Länge war sie eine Waffe, die man nicht wie z. B. ein Schwert im Tagesgeschäft mitführen konnte, sondern mit der man nur in ernstester Absicht aus dem Haus ging. Durch die raumgreifenden Bewegungen ist sie nur sehr bedingt für den Kampf in dichter Aufstellung geeignet. Daher wurde sie ab dem 15. Jahrhundert mit der Entwicklung hin zum Formationskampf langsam vom Schlachtfeld verdrängt. Die japanische Infanterie der Massenheere des späten 16. Jahrhunderts bestand fast ausschließlich aus Pikenieren und Musketieren. Die Glanzzeit der Naginata war ca. das 10. – 14. Jahrhundert, als der Einzelkampf die Norm war und die Kontrahenten vor dem Gefecht die Verdienste ihrer Vorfahren aufzählten. Sie gehörte zum standardmäßigen Repertoire eines Samurai wie Schwert, Bogen, Speer, etc.

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Berittener Samurai mit Naginata, Schwert und Bogen

Naginata auf Deutsch?

Im Deutschen gibt es keine gute Übersetzung für das Wort „Naginata“. Die Waffe des europäischen Mittelalters, die einer Naginata am nächsten kommt, ist die Kuse. Allerdings ist diese Waffe heute weitgehend unbekannt und daher für die meisten Menschen genauso ein Fremdwort wie Naginata. Manche Leute übersetzen den Begriff mit „Hellebarde“ oder „Schwertlanze“. Das erste Wort entspricht weder der tatsächlichen Gestalt noch Handhabung, aber es wirft beim Lesen oder Hören keine unmittelbaren Fragen auf. Der zweite Begriff versucht der Sache näher zu kommen, jedoch hat man davon auch nicht sofort einen klaren Eindruck. Aus Mangel an guten Möglichkeiten wird hier kein Versuch einer neuen Wortschöpfung gemacht, sondern der Begriff „Naginata“ als japanisches Fremdwort übernommen, wie ja auch „Sushi“, „Samurai“ und „Geisha“ mittlerweile geläufige Begriffe sind.

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Zwei Kusenklingen
Text: Andreas Nicol