Der Kampfsport

Naginata ist ein japanischer Kontaktkampfsport, der sowohl körperliche als auch geistige Fähigkeiten trainiert. Auf der einen Seite werden Ausdauer, Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen geschult, auf der anderen Seite fördert Naginata Selbstdisziplin, Konzentration und Entschlussfähigkeit. Darüber hinaus ist Naginata von den Werten des japanischen Rittertums wie zum Beispiel Tapferkeit, Respekt, Rechtschaffenheit, Güte und Ehre geprägt. Neben der sportlichen Betätigung dient Naginata der Charakterbildung und der Persönlichkeitsentwicklung.


Rüstungstraining

Trainingsablauf

Das Training beginnt mit dem gemeinsamen Aufwärmen und einer kurzen Meditation. Danach werden die Lehrer und Übungspartnern traditionell begrüßt und um das gemeinsame Training gebeten. Grob gesagt besteht das Naginatatraining aus den drei grundlegenden Bausteinen:

  1. Grundlagenübungen (Kihon)
    Kihon beinhaltet das Üben der verschiedenen Kampfstellungen, der Fußarbeit und der Grundschläge.
  2. Formen (Kata)
    Eine Kata ist ein genau festgelegter Ablauf von Angriffen, Verteidigungen und Gegenangriffen, die von zwei Leuten ausgeführt werden. Alle Schläge werden abgestoppt bevor sie den Partner treffen, so dass keine Verletzungen auftreten. In Naginata gibt es zwei verschiedene Arten von Kata: Shikake-Ôji und Zen Nichi Kata bzw. Renmei no Kata (Verbandskata). Shikake-Ôji besteht aus 8 Formen. Die Verbandskata beinhaltet 7 Formen, die ab einer Graduierung vom 3. Dan und aufwärts praktiziert werden (siehe Graduierungen).
  3. Training für den Wettkampf (Shiai)
    In der Rüstung wird für den freien Wettkampf trainiert. Dazu übt man mit dem Partner die Grundschläge ohne abzustoppen. Die einzelnen Rüstungsteile schützen die Körperstellen, die angegriffen werden dürfen. Ebenso übt man Verteidigung und Kontertechniken
Das Training endet mit einer zweiten kurzen Meditation, gefolgt vom Bedanken bei Lehrern und Übungspartnern für das zusammen absolvierte Training.


Grundlagentraining

Trefferstellen und die Grundschläge

Im Wettkampf sind nur Schläge auf die geschützten Körperpartien zugelassen. Beim Katatraining wird stets abgestoppt, bevor die Naginata den Übungspartner berührt. Die Trefferstellen sind größtenteils nach den Rüstungsteilen benannt, die sie schützen. Es gibt:

  • Men: Ein vertikaler Schnitt durch den Kopf
  • Soku Men: Ein diagonaler Schnitt durch den Kopf unter einem Winkel von
  • Tsuki: Ein Stich zur Kehle
  • Kote: Ein vertikaler Schnitt durch das Handgelenk
  • Dô: Ein horizontaler Schnitt durch den Rumpf
  • Sune: Ein diagonaler Schnitt durch den Unterschenkel

Die Trefferstellen in Naginata

Die Grundregeln der verschiedenen Wettkampfarten

In Naginata gibt es zwei verschiedene Sorten von Wettkämpfen: Den freien Kampf (Shiai) und den Formenkampf (Engi). Im engeren Sinn meint das Wort Wettkampf Shiai.

Shiai

Im Shiai treten zwei Naginataka in Rüstung gegeneinander an. Drei Schiedsrichter verfolgen das Kampfgeschehen und entscheiden darüber, ob ein Schlag als gültiger Trefferpunkt gewertet wird. Ein Kampf dauert 3 oder 5 Minuten. Das Duell entscheidet der Kämpfer für sich, der zuerst 2 Punkte erreicht hat (2:1 oder 2:0) oder beim Ablauf der Zeit einen Punkt Vorsprung erreichen konnte (1:0). Ansonsten ist der Kampf unentschieden. Für Finalkämpfe, die nach Ablauf der Zeit unentschieden stehen, gibt es eine Verlängerung. Die Entscheidung fällt dann, sobald der erste Punkt erreicht wird. Eine weitere Methode, um bei einem Punktegleichstand eine Entscheidung zu erreichen, wenn dies für den weiteren Verlauf eines Turniers notwendig ist, ist der Schiedsrichterentscheid (Hantei). Hierzu stimmen die Schiedsrichter bei Kampfende darüber ab, welcher Kämpfer überlegen ist.
Für Verstöße gegen die Regeln (wie z. B. Verlassen der Kampffläche, Fallenlassen der Naginata, Sturz) wird ein Strafpunkt erteilt. Sobald ein Kämpfer zwei Strafpunkte erhalten hat, wird dem Gegner ein regulärer Punkt gut geschrieben.
Damit ein Angriff auf eine Trefferfläche als Punkt gezählt wird, müssen mehrere Anforderungen erfüllt sein:
  1. Der Angriff muss absichtsvoll und entschlossen ausgeführt werden. Dies äußert sich unter anderem im Schrei (Kiai), der gleichzeitig mit dem Angriff erfolgen muss und die Trefferstelle benennt.
  2. Auch unmittelbar nach dem Angriff muss der Angreifer seine Aufmerksamkeit behalten und den Gegner unter Kontrolle behalten (Zanshin).
  3. Der Angriff muss aus dem korrekten Abstand (Ma Ai) heraus erfolgen, so dass Schnitte mit dem vorderen Drittel der Klinge (Mono Uchi) ausgeführt werden.
  4. Schritt und Schnitt bzw. Stich müssen gemeinsam erfolgen.
Diese vier Bedingungen lassen sich darin zusammen fassen, dass der Angriff in der Einheit von Geist, Körper und Waffe (Ki Ken Tai Ichi) erfolgen muss.


Shiai

Engi

Im Engi treten zwei Mannschaften von je zwei Naginataka gegeneinander an und werden in der Regel von 5 Schiedsrichtern bewertet. Die Mannschaften führen gleichzeitig die selben 2 bzw. 3 Shikake Ôji-Formen vor, die im Vorfeld ausgeschrieben wurden. Es siegt die Mannschaft, die durch ihren Gesamteindruck für alle Formen die meisten Schiedsrichterstimmen für sich gewinnen konnte. Obwohl die Bewegungsabläufe bei dieser Disziplin vorgeschrieben sind, müssen alle Angriffe gemäß den gleichen Prinzipien ausgeführt werden, die auch für den Shiai gelten. Darüber hinaus müssen die Kontertechniken korrekt angewandt werden. Das Zusammenspiel der beiden Seiten muss harmonisch und im richtigen Timing ablaufen.
Zeichnungen mit dem Aufbau und den genauen Maßen der Wettkampfflächen können aus dem Download-Bereich herunter geladen werden.


Engi

Graduierungen

In Naginata gibt es verschiedene Graduierungen, die man durch Prüfungen erwirbt. Zuerst gibt es 6 Kyû-Grade (Schülergrade), anfangend mit dem 6. Kyû bis zum 1. Kyû. Zwischen zwei Kyûprüfungen liegt typischerweise ein halbes Jahr Vorbereitungszeit. Darauf folgen die 5 Dan-Grade (sehr frei übersetzt: Lehrergrade), bei denen man in umgekehrter Reihenfolge vom 1. Dan bis zum 5. Dan hochzählt. Um sich für die Prüfung zur nächst höheren Danstufe anmelden zu können, muss man mindestens so viele Jahre trainiert haben, wie die gegenwärtige Danstufe beträgt. Zum Beispiel ist eine Vorbereitungszeit von mindestens einem Jahr vorgeschrieben, um als 1. Dan die Prüfung zum 2. Dan versuchen zu dürfen. Zuletzt werden die Grade Renshi, Kyôshi und Hanshi verliehen. In Naginata werden keine farbigen Gürtel oder ähnliches getragen, welche die Graduierung nach außen hin sichtbar machen.


Verbandskata

Text: Andreas Nicol

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